Selbsthilfe und Pharmaindustrie
Die folgenden Beiträge sind autonome Mitteilungen der Absender und widerspiegeln ausschließlich deren Meinung:
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Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft e.V. (PSOAG)
Dachverband unabhängiger Patientengruppen seit 1997
Informationen zum Welt-Psoriasis-Tag
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Karin Stötzner, SEKIS:
Selbsthilfeorganisationen sind Lobbyisten für Ihr Themenfeld. Als Zusammenschlüsse chronisch kranker oder behinderter Menschen organisieren sie sich ihre eigene Interessenvertretung auch in der Auseinandersetzung mit den Akteuren in der gesundheitlichen Versorgung und der Politik.
Sie sind damit auch wichtige Zielgruppen für Wirtschaftsunternehmen, die sich die Betroffenen als Partner an ihrer Seite wünschen, um zum Beispiel bestimmte Vermarktungsinteressen zu realisieren.
Für die Selbsthilfe ist dies eine schwierige Gratwanderung: einerseits wollen Patienten und gerade chronisch oder lebensbedrohlich Kranke in jedem Fall die bestmögliche und modernste Behandlung erfahren. Sie wollen teilhaben an den Innovationen und Ergebnissen neuerer Forschung.
Andererseits können sie durch ein allzu unkritisches Bündnis mit Wirtschaftspartnern auch schnell zu Instrumenten einer Verkaufspolitik werden, die nicht nur die unmittelbaren Interessen der Betroffenen im Auge hat.
SEKIS und das Berliner Selbsthilfeforum haben diese Diskussion schon im vergangenen Jahr aufgegriffen.
Die Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitsbereich, insbesondere die Pharmaindustrie wird ihre Bemühungen um die Einbindung der Selbsthilfe und Patientenverbände in Zukunft noch intensivieren, da die von der Bundesregierung geplanten Änderungen im Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung (AVWG), massive Einschnitte bei den Möglichkeiten zur Verschreibung von Medikamenten vorsieht. (Stellungnahmen der Patientenverbände verweisen auf die Probleme, die in diesem Vorhaben liegen.)
Beispiele für das Bemühen der Pharmaverbände um die Selbsthilfe sind z.B.:
Einladungen zur Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit:
Mail an SEKIS vom 10. Februar 2006
Sehr geehrte Frau Stötzner,
als PR-Agentur organisieren wir für die Firma Hoffmann-La Roche für den diesjährigen Krebsaktionstag auf dem Deutschen Krebs Kongress in Berlin unter anderem einen Lunchtalk "Aktiv leben trotz Krebs". Unser Anliegen ist deshalb, dass insgesamt viele Patienten, deren Angehörige und Interessierte zum Krebsaktionstag am 26. März kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, möchten wir unsere Bemühungen mit den dort anwesenden Selbsthilfegruppen bündeln und diese, wenn gewünscht, mit Pressearbeit unterstützen. Ich wollte mit Ihnen Ihren möglichen Bedarf an Unterstützung besprechen, dies kann z. B. die Erstellung eines Pressetextes (durch uns für Sie) sein oder die Nutzung eines bestehenden Verteilers mit Schwerpunkt Berlin. Vielleicht haben Sie auch weitere Ideen, wie wir Ihnen helfen können. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen! Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen Iris Ewert
medical relations GmbH, Hans-Böckler-Straße 46, 40764 Langenfeld
Tel.: 0 21 73 / 97 69 26, www.medical-relations.de, iris.ewert@medical-relations.de
Wir haben darauf so geantwortet:
Sehr geehrte Frau Ewert,
haben Sie Dank für Ihr Angebot. Ich werde die Information gerne den uns bekannten Gruppen zum Themenfeld Krebs weiterleiten. Die Beteiligung von Patienten an fachlichen Diskursen und die Frage einer optimalen Behandlung spielen in vielen Gruppendiskussionen ein wichtige Rolle. Der Deutsche Krebskongress ist ein wichtiges Forum dafür.
Wie Sie sicher wissen, diskutieren die Selbsthilfegruppen zur Zeit aber auch darüber, wie sie ihre Unabhängigkeit und Neutralität gegenüber einflussreichen Interessen im Gesundheitswesen wahren können. Sie kennen den Vorwurf einer Instrumentalisierung der Selbsthilfe für Interessen der Pharmaindustrie. Eines der wichtigsten Güter der Selbsthilfe ist ihre Glaubwürdigkeit als Mittler von Erfahrungswissen Betroffener. Diesen Vertrauensbonus wollen sie nicht verlieren und sie sind dabei, Selbstverpflichtungserklärungen über eine offene Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen zu verabschieden. (http://sekis.de/Selbsthilfe_und_Pharma.295.0.html)
Das freundliche Angebot der Pharmafirmen an Selbsthilfegruppen, ihnen über Werbeagenturen bei der Öffentlichkeitsarbeit zu helfen muss daher immer auch auf diesem Hintergrund gesehen werden.
Eine Zusammenarbeit und Beteiligung an Ihrem Angebot ist daher an die Bitte geknüpft, dass gleichzeitig eine offensive Debatte darüber stattfindet, wie Transparenz und Unabhängigkeit der Selbsthilfe gewahrt werden können und wie die unterschiedlichen Interessen transparent gemacht werden können.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese Fragen auch in Ihr Unterstützungsangebot einzubinden ?
Ich werde also Ihr Angebot mit dieser Bitte an die Gruppen weiterleiten.
Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Karin Stötzner
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15. März 2oo6<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Betr. Angebot zur Kooperation bei der Öffentlichkeitsarbeit
Angebot der Werbeagentur Medical Relations an die Krebsselbsthilfegruppen
Sehr geehrtes SEKIS Team,
ich habe die Diskussion um die Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Pharma verfolgt und finde es aus prinzipiellen Überlegungen sehr fragwürdig sich an solchen Diskussionen zu beteiligen bzw. diese Angebote in Anspruch zu nehmen. Die Kunden von Medical Realations lesen sie wie ein Who is Who
der Pharma Industrie:
Bayer HealthCare AG
Cephalon GmbH
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
Hoffmann-La Roche AG
Novartis Pharma AG
Roche Diagnostics GmbH
Schering AG
Ohne diesen Hinweis würde ich die Info, die ja erstmal unverfänglich daher kommt, nicht an die Gruppen weitergeben. Denn ich glaube nicht, dass in der Zusammenarbeit einzelner Gruppen mit Werbeprofis immer erkenntlich ist worum es den Firmen geht, die letztendlich diejenigen sind, die all das bezahlen.
Ein solches Angebot geben wir nicht an die Gruppen ohne einen persönlichen Kontakt weiter.
Gruß Ralph
Selbsthilfetreffpunkt im Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Holsteinische Straße 30 * 12161 Berlin
Fon (030) 85 99 51 -30/-33
selbsthilfe@nachbarschaftsheim-schoeneberg.de
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Befragungen zum „Innenleben der Selbsthilfe“:
Sehr geehrte Frau Stötzner,
unser Institut ist beauftragt worden, eine wissenschaftliche Studie anzufertigen, mit dem Ziel, ein besseres Verständnis der Arbeit und Organisation von Selbsthilfegruppen zu gewinnen. Aus diesem Grunde möchten wir Sie in Ihrer Funktion als leitendes Mitglied Ihrer Organisation bitten, an einem unserer Gespräche teilzunehmen.
Das Gespräch orientiert sich an qualitativen Interviewmethoden. Mit anderen Worten: unsere Interviews finden in einer offenen und interessanten Gesprächsatmosphäre statt, ohne bohrende Fragen oder langweilige Fragebogenbeantwortung.
Wir werden bundesweit ca. 45 Gespräche mit Vorstandsmitgliedern und leitenden Persönlichkeiten aus Selbsthilfeorganisationen führen. Unsere Interviewpartner sind demnach alle, wie auch Sie, in leitender Funktion einer Selbsthilfegruppe tätig. Da wir einen möglichst repräsentativen Querschnitt der Bewegung von Selbsthilfeorganisationen im Ganzen erhalten wollen, versuchen wir einen möglichst facettenreichen und umfassenden Eindruck zu bekommen.
Die Studie wird für einen Ihnen sicherlich bekannten Auftraggeber durchgeführt. Aus Gründen der Gewährleistung einer möglichst neutralen Gesprächsgestaltung, möchten wir um Ihr Verständnis bitten, dass Ihnen dieser Auftraggeber erst nach dem Gespräch, dann aber verbindlich genannt wird.
Unser Institut wurde für diese Studie nicht nur aufgrund seiner fachlichen Qualifikation, sondern auch deshalb beauftragt, weil wir grundsätzlich auf die strikte und verbindliche Einhaltung von Anonymität achten. Wir garantieren damit auch Ihnen Anonymität. Selbstverständlich werden Inhalte der Interviews weder in irgendwelchen Medien veröffentlicht, noch an Dritte, unbeteiligte Personen oder Institutionen weitergegeben. Sie dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung.
Ich würde mich freuen, Sie für eine Teilnahme an einem Gespräch über Selbsthilfeorganisationen gewinnen zu können. Für den Aufwand, der Ihnen aufgrund des ca. 90 min Gesprächs entsteht, entschädigen wir Sie selbstverständlich adäquat.
Mit freundlichen Grüßen Alexander Graeff (Feldkoordination)
FREYER Marktforschung GmbH
Joachimstaler Straße 10-12, 10719 Berlin
Home-Office: Tel. 030 - 48 49 41 43 , alexander.graeff@freyer-berlin.de
Zentrale: Tel. 030 - 23 50 91 - 0, info@freyer-berlin.de
Internet: www.freyer-marktforschung.de
Wir haben in einem ausführlichen Telefongespräch folgende Fragen an Herrn Graeff gestellt:
Um welchen Auftraggeber handelt es sich bei der Studie ?
Was genau ist die Fragestellung ?
Warum bleibt die Fragestellung und der Auftraggeber anonym ?
Wir gehen davon aus, dass es sich um den Auftrag einer Pharmafirma handelt, die mit den qualitativen Interviews die Strukturen, Kommunikationsformen und die Art der Herausbildung von Meinungsführern in den Gruppen für das optimale Rekrutieren von Partner für die Zusammenarbeit herausfinden will.
Herr Graeff bestätigte dies im Wesentlichen, ohne die konkreten Fragen zu beantworten.
Wir haben mit allem Nachdruck deutlich gemacht, dass wir diese Form der Verschleierung und der Intransparenz für unangebracht halten.
Die Selbsthilfe steht unter massivem Druck, für ihre Arbeit jede nur erdenkliche Transparenz herzustellen, dann erwartet die Selbsthilfe auch die gleiche Offenheit von der Industrie, die die Kooperation sucht.
Die Selbsthilfe ist durchaus so souverän und kompetent, dass sie auch dann ein Interview gibt, wenn die Ziele und Absichten der Befrager offen und ersichtlich sind.
Wir fordern hiermit alle Mitglieder in Selbsthilfegruppen und Organisationen, die diese Einladung erhalten haben auf, sich entschieden gegen diese fehlende Offenheit zu wenden.
Die Selbsthilfe ist bereit, mit Wirtschaftsunternehmen zusammenzuarbeiten, an Befragungen teilzunehmen und die zahlreichen Transparenzanforderungen (z.B. der Krankenkassen) zu erfüllen, dann erwartet sie diese Klarheit auch von ihren Partnern.
Berlin, im Februar 2006
Karin Stötzner
Neue Nachricht am 25. Februar 2006
Die Intervention war erfolgreich: Inzwischen ist der auftraggebende Pharma-Konzern bereit, seine Einladungen zu dieser Umfrage offen zu machen: Es handelt sich um die Firma GlaxoSmithKline, die ohnehin schon mit vielfältigen Mitteln den Dialog mit Patientenverbänden und den Patienten als Partnern im Marktgeschehen sucht. Siehe dazu auch die GSK-Patientenbriefe.
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Januar 2006
Sehr interessant ist die Art und Weise, wie die Pharma-Industrie die neuen Anforderungen an Transparenz und Dialog mit der Selbsthilfe aufnimmt. Die Firma Glaxo Smith Kline hat einen eigenen Informationsbrief für Patienten und Selbsthilfegruppen als Marketingelement publiziert. In der Januar Ausgabe wird auf die Berliner Diskussion im Selbsthilfe Forum Bezug genommen und nur das zitiert, was kritisch zu den Transparenzanforderungen der Krankenkassen gesagt wurde. Die zahlreichen positiven Äußerungen über die notwenigen Offenlegungen der Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Wirtschaft tauchen dort nicht auf. Siehe Anlage GSK-Patientenbrief Januar 2006
Karin Stötzner
SEKIS
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Sehr geehrtes Sekis-Team,
ich bin durch Zufall auf Ihrer Homepage gelandet, weil ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema "Selbsthilfegruppen und Pharmaindustrie" beschäftige und nach aktuellen Informationen diesbezüglich gesucht habe.
Schön, dass endlich auch einmal von SHG-Seite offen darüber diskutiert wird. Bisher galt man schnell als Nestbeschmutzer, wenn man mehr Transparenz bzgl. der Geldquellen eingefordert hat. Auch hier gab es ja bereits polarisierende Stimmen "die Selbsthilfe insgesamt stünde dadurch am Pranger".
Da ich mich beruflich (vor meiner Erkrankung) mit Social Marketing beschäftige und privat in der Selbsthilfe engagiert bin, empfinde ich es als "höchste Zeit", dass das Problem endlich einmal öffentlich thematisiert wird. Bislang fehlt es vielen Selbsthilfegruppen deutlich an Bewusstsein für die Interessenkonflikte, die entstehen, wenn Geld von Pharmaunternehmen angenommen wird.
Ich verfolge die Diskussion mit großem Interesse und hoffe, Sie bleiben am Thema dran!!!
Mit freundlichen Grüßen Nicole Rolfsmeier
Kronenstrasse 42, 30161 Hannover
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27. November 2005
Für den Vorstand
Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.
René Talbot und Uwe Pankow
Diese Gefahr (einer Instrumentalisierung durch die Pharmaindustrie) haben wir schon lange erkannt und deshalb wurde in der Satzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V. (die-BPE), die am 24.11.2004 gegründet wurde: http://www.die-bpe.de/#beschluss folgender zur Nachahmung empfohlene Artikel aufgenommen: http://www.die-bpe.de/satzung.htm
„§ 4 Finanzierung : Die Mittel zur Erfüllung seiner Aufgaben erwirbt die Arbeitsgemeinschaft durch: Mitgliedsbeiträge; Spenden, aber keine Spenden, die von Firmen oder Vereinigungen gegeben werden, die medizinische Produkte herstellen oder medizinische Dienstleistungen anbieten, vertreiben oder bewerben; öffentliche Zuwendungen; sonstige Zuwendungen, aber keine Zuwendungen oder Sponsorengelder, die von Firmen oder Vereinigungen gegeben werden, die medizinische Produkte herstellen oder medizinische Dienstleistungen anbieten, vertreiben oder bewerben.“
Bei so einer Satzung versucht es eine Ärzte-Pharma-Lobby überhaupt erst gar nicht! Wie viel krasser es inzwischen in der USA abgeht, kann diesem Rausschmiß eines Staatsanwalts entnommen werden, der die Korruption aufdecken wollte: http://www.rutherford.org/oldspeak/articles/interview/oldspeak-jones.htm . Dieser Artikel ist DRINGEND zur Lektüre empfohlen!
24. November 2005
Der Paritätische Wohlfahrtsverband Gesamtverband e.V.
Referat Behindertenhilfe, chronische Erkrankungen und Psychiatrie
verweist ebenfalls auf die ARD-Sendung Panorama und auf Versuche der Pharmaindustrie, Selbsthilfegruppen für den Absatz bestimmter Medikamente zu instrumentalisieren.
Joachim Hagelskamp schreibt:
“Unseres Erachtens sollte diese Berichterstattung nicht dahin gedeutet werden, ungesicherte Behauptungen über die Selbsthilfe im Allgemeinen den Weg zu bahnen, sondern vielmehr dafür sensibilisieren, welcher Instrumente sich einige Wirtschaftsunternehmen sich bedienen, um den Absatz ihrer Produkte zu sichern.
Der Beschluss des Deutschen Krebsforschungszentrums, einen ethischen Kodex zur Ablehnung von Geldern der Tabak für die Krebsforschung zu verabschieden, ist u. E. demgegenüber zu begrüßen. Sie finden die
Pressemeldung dazu unter
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/index.html
Referatsleitung Behindertenhilfe, chronische Erkrankungen, Psychiatrie
Joachim Hagelskamp
Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V.
Oranienburger Straße 13-14, 10178 Berlin
E-Mails: joachim.hagelskamp@paritaet.org
2. November 2005
Rolf Blaga Psoriasis Arbeitsgemeinschaft Berlin - PSOAG
Antwort auf den Beitrag von Frau Nowack vom 30. November 2005
Ich empfinde es als sehr böswillig, wenn Regine Nowack diejenigen als "von der Industrie gelenkt" zu bezeichnen, die nicht Ihrer Meinung über angebliche "Hauptursachen fast aller Erkrankungen" sind. Wilhelm Schüßler meinte, alle Krankheiten rühren von einem Mineralstoffmangel her. Ein Herr Dr. Rath würde behaupten, Hauptursache aller Krankheiten sei der Vitaminmangel. Für Dr. Klaus Hoffmann (Rheine) besteht die Hauptursache aller Krankheiten in der Übersäuerung des Körpers. Thorwald Dethlefsen findet für jede Krankheit eine psychische Ursache. Mein Pfarrer hat immer behauptet, dass Krankheiten eine Prüfung Gottes seien. Wer also hat recht? Ich bezweifele, dass es die eine, wahre "Hauptursache für alle Krankheiten" gibt. Die Vertreter solch gewagter Thesen sind meist intolerant gegenüber anderen Erklärungen, vor allem gegenüber der Schulmedizin. Sie sind eher Gläubige, die Heilung versprechen, sie aber nicht wirklich beweisen können. Die Stiftung Warentest bestätigt in ihrem im Oktober 2005 erschienen Buch "Die Andere Medizin", das nur wenige der gängigen Alternativtherapien seriös ihre Wirkung nachweisen können.
Es ist unseriös zu behaupten, "die großen überregional agierenden SHGs scheinen überwiegend (alle?) von der Pharmaindustrie finanziert zu sein, bieten also keine objektiven Informationen." Es gibt in Deutschland hunderte von überregional tätigen Selbsthilfeorganisationen. Von denen ist überhaupt nur ein kleiner Teil für die Pharmaindustrie interessant. Und von dieser kleinen Gruppen sind es bisher zum Glück nur einige wenige, die offensichtlich von der Pharma-Industrie unterwandert worden sind. Das sollte diejenigen aufhorchen und wachsam werden lassen, die aktiv in der Patienten-Selbsthilfe tätig sind. Es ist aber beleidigend, alle Selbsthilfegruppen gleichermaßen pauschal zu verdächtigen, sie könnten nicht mehr objektiv beraten, Nur weil sie überhaupt Pharma-Spenden annehmen. Die Gelder stammen meist von konkurrierenden Firmen, die dann die Gruppe nicht einseitig beeinflussen können. Aber es besteht natürlich die Gefahr, dass die Gruppen generell der Pharma-Industrie zu unkritisch gegenüber auftreten. Die meisten Selbsthilfeorganisationen sind nicht wirklich abhängig von Pharmageldern. Sie finanzieren sich hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge und werden von den Krankenkassen gesetzlich gefördert. Nach meiner langjährigen Erfahrung informieren die meisten, ehrenamtlich tätigen Patienten bei den Gruppentreffen seriös und sachlich. Jeder merkt doch selbst, ob eine (hochgelobte) Therapie bzw. ein (empfohlenes) Medikament hilft.
Es hat seinen Grund, weshalb viele Patienten der "Alternativmedizin" skeptisch gegenüberstehen. Nicht, weil alle diese Patienten "industriegelenkt" ist, sondern weil sie schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Vor allem chronisch Kranken werden außerhalb der Schulmedizin oft wahre Wunder versprochen. Wer verzweifelt ist, klammert sich an jedes Heilversprechen und ist auch bereit, dafür viel Geld zu zahlen. Die Ernüchterung tritt dann ein, wenn das Wunder ausbleibt. Als Selbsthilfe-Organisation wurden wir von einigen Vertretern solcher skurrilen Ansätze massiv beschimpft: Ob es die Aloe-Vera-Vertreter waren oder die Verkäufer von "Doktor-Fischen". Immer wieder fand sich jemand, der uns vorgeworfen hat, wir seien doch nur "gelenkt von der Pharmaindustrie". Als Menschen, die selbst von einer chronischen Krankheit betroffen sind, hätten gerne ihre Wundermittel angepriesen, wenn es nur seriöse Beweise dafür gegeben hätte, dass sie wirken.
Das trifft auch auf den Bereich zu, den die Briefeschreiberin Regine Nowack vertritt. Sicherlich würde die SHG Amalgam behaupten, dass (auch) unsere Krankheit, die Psoriasis, dann verschwindet, wenn man das Amalgam aus allen Zähnen entfernt. Immer wieder wird so etwas für Einzelfälle beschrieben. Aber es gibt ganz eindeutig keine wissenschaftlichen Studien über diese angebliche Wirkung von Amalgam-Entzug und Psoriasis
(Mitgliederzeitschrift der Schweizerischen Psoriasis- und Vitiligo-Gesellschaft Nr. 5/2002).
30.10.2005
Kurt Scherrer, Vorsitzender der Schweizerischen Psoriasis- und Vitiligogesellschaft (SPVG)
Kritische Mahner tun allerdings bitter Not; da bin ich Ihrer Meinung!
30.10.2005
Dietmar Schulz, Vorsitzender der Psoriasis Selbsthilfegruppe München (PSM)
Der Panorama-Beitrag hat die negativen Seiten der Pharmavereinnahmung sehr deutlich gezeigt. „Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert“. Dieser Vers von Wilhelm Busch trifft doch aber nur auf Selbsthilfegruppen im einstelligen Prozentbereich zu. Es fehlte in der Sendung ein Hinweis das die meisten Selbsthilfegruppen ohne Sponsoring ihre Beratung machen. Stattdessen stehen jetzt einmal alle Selbsthilfegruppen am Pranger.
30.10.2005
Regina Nowack - SHG Amalgam
c/o Selbsthilfe- Kontakt- und Beratungsstelle Mitte
Perleberger Str. 44, 10559 Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitstreiter und Freunde,
Der ARD-Bericht (PANORAMA vom 27.10.2005) deckt sich mit meinen Beobachtungen. Insbesondere die großen überregional agierenden SHGs scheinen überwiegend (alle?) von der Pharmaindustrie finanziert zu sein, bieten also keine objektiven Informationen. Erste Hinweise dafür liefern meist deren sehr aufwendige, professionell gestaltete Internetseiten (d.h. mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Industrie), die meist auch links zu Pharmafirmen und deren Produkten aufweisen. Des weiteren fallen kostspielige Veranstaltungen auf (z.B. in Luxushotels), die sich unabhängige Gruppen nicht leisten können, oder auch wissenschaftliche Beiräte (mit ranghohen Persönlichkeiten des Medizin¬betriebs), die bei reinen Patientengruppen nicht üblich sind.
Aber auch bei kleinen regionalen SHGs sind unabhängige Informationen oftmals rar. Dies nicht unbedingt wegen einer direkten Liaison mit der Pharmaindustrie, sondern weil viele dieser Patientengruppen der Indoktrination unterliegen, die von den großen pharmagesteuerten SHGs bzw. vom Medizinbetrieb ausgeht. D.h. sie übernehmen völlig unkritisch, ohne eigene fundierte (aus unabhängigen Quellen gewonnene) Sachkenntnis falsche (nicht patientenorientierte) Informationen und geben diese weiter.
Für den Ratsuchenden im medizinischen Selbsthilfebreich ist es also nicht ganz einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ein Indiz für industriegelenkte Informationen ist sicherlich, wenn die beiden Hauptursachen fast aller Erkrankungen in den westlichen Industrienationen – nämlich das Defizit an Vitalstoffen durch Fehl- und Mangelernährung sowie die Belastung mit chemischen und physikalischen Noxen durch die Vielzahl schädlicher Industrieprodukte – völlig ausgeklammert werden und dementsprechend auch ursachenbekämpfende Therapien keine Erwähnung finden. Denn die etablierte Medizin ist überwiegend nur an der symptomatischen, nicht an der ursächlichen Behandlung – d.h. am Erhalt, nicht an der Beseitigung – von Erkrankungen interessiert. Schließlich macht sie ihren Profit – und nur das ist ihr Motiv- mit Krankheiten, nicht mit Gesundheit.
Mit besten Grüßen Regina Nowack
Das neue Fortbildungsprogramm für Aktive in der Selbsthilfe ist fertig.
Liebe Leserin, lieber...
jeden 1. und 3. Do im Monat 16 - 18 Uhr bei SEKIS
Anmeldung Tel. 8902 85-33 /-32
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