
Stand und Perspektiven der Arbeit mit Selbsthilfegruppen und in Selbsthilfe-Kontaktstellen
Dokumentation der Klausurtagung der Berliner Selbsthilfekontaktstellen
Redaktion :
Karin Stötzner und Götz Liefert
Hrsg. selko e.V.
gefördert durch die Techniker Krankenkasse Landesverband Berlin-Brandenburg
Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung unterliegen einem Wandlungsprozess, so wie andere gesellschaftliche Bereiche auch. Es ist notwendig, dass diejenigen, die verbindlich und kontinuierlich Selbsthilfegruppen unterstützen, gelegentlich innehalten und das eigene Tun reflektieren. Mit diesem Beitrag sollen einige Fragestellungen aufgegriffen werden, den sich diejenigen, die im Umfeld der Selbsthilfe tätig sind, aktuell stellen (müssen). Es geht darum herauszufinden, wie sich die Selbsthilfe und damit der Unterstützungsbedarf ändern und ob die Art und Weise, wie die Kontaktstellen auf Ratsuchende und Gruppen eingehen, noch den aktuellen fachpolitischen Anforderungen entsprechen.
Selbsthilfe war in der Vergangenheit das Synonym für eine soziale Bewegung, die die Themen Selbstbestimmung und Autonomie in den Mittelpunkt gestellt hat.
Selbsthilfe war sowohl ein Begriff, der für individuelles Handeln (ich helfe mir selbst, indem ich mich mit anderen Gleichgesinnten verständige) auf der einen Seite und für eine gesellschaftliche Bewegung, der es um Selbstorganisation und neue Formen der Vergesellschaftung auf der anderen Seite ging. Die Selbsthilfebewegung war daher ein eigenständiger Teil der Alternativbewegung, die mit Projekten und neuen Organisationen andere Formen von Arbeit und Leben schaffen wollte. Die Kraft der Selbsthilfebewegung lag in der Kombination dieser beiden Elemente: des individuellen, persönlichen handeln wollen mit dem gesellschaftlichen Veränderungswille. Der Focus Selbsthilfe und Eigenverantwortung hat in den letzten Jahren eine neue Bedeutung bekommen, weil neben das Moment der Autonomie auch die gesellschaftliche Forderung nach Übernahme von Verantwortung für sich selbst gekommen ist. Bei der Thematisierung von Eigenverantwortung geht es immer auch darum, dem Einzelnen Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zu übertragen (zu re-übertragen), die in der Vergangenheit auch von gesellschaftlichen Institutionen übernommen wurden (soziale Absicherung, Vorsorge, Entscheidungsverantwortung). Kritisiert wird diese Entwicklung als Teil einer zunehmenden Wettbewerbsorganisation auch des Sozialen deswegen, weil damit die Gemeinschaft, der Staat oder Wohlfahrtsorganisationen zunehmend aus der Verantwortung genommen werden, die bis dahin für einen Ausgleich sozialer Unterschiede sorgen konnten. Eigenverantwortung steht zwar für Autonomie, beinhaltet aber auch die Tatsache, dass Einzelne die Gemeinschaft zunehmend weniger für die Lösung ihrer Belange in die Pflicht nehmen können.
Die Broschüre können Sie hier herunterladen:
jeden 1. und 3. Do im Monat 16 - 18 Uhr bei SEKIS
Anmeldung Tel. 8902 85-33
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